Umzug mit blindem Pferd

Umzug mit einem blinden Pferd… eine Möglichkeit gemeinsam zu wachsen

Ok, die Idee den Umzug in einem 2-stündigen Fußmarsch statt einer 20-Minuten-Hängerfahrt zu absolvieren ist durchaus nicht alltäglich. Und den ein oder anderen zweifelnden Blick haben wir auch geerntet… aaaber man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. Darüber hinaus haben wir bereits einmal einen Umzug zu Fuß absolviert und wir kamen alle ausgepowert und entspannt am neuen Stall an, wesentlich ruhiger als mit der Aufregung des Verladens, Hängerfahrens und ganz fremd irgendwo anzukommen.

Gesagt getan… Wir, das sind Pepper, unsere RB Sonja und ich, Chrissy, liefen also Freitagnachmittag bei frischen 5 Grad aber Sonnenschein gut präpariert los. (Als Näh-Trottel musste ich mit dem Blindenzeichen improvisieren)

Die ersten 10 Minuten waren geprägt von sehr schweren Bodenverhältnissen, rutschig, bergab und sehr holperig. Am Ende ging es erstmal durch zwei Engstellen über einen Bahnübergang. Dann erreichten wir den Fußweg am See. Hier wurde es erstmal recht unspannend. Alles war friedlich, ruhig und trotz heran düsenden Fahrradfahrern oder Inlinern lies Pepper sich nicht aus der Ruhe bringen. Er genoss die Seeluft und mangels Sehkraft waren an Land liegende riesen Boote auch uninteressant.

Ca. 1 Stunde später erreichten wir das Wehr des Sees… …und die Baustelle daneben. Da lief ein sehr lauter Motor mit zischendem Geräusch, welches Pepper sehr verunsicherte. Trotzdem blieb er händelbar und wir lernten, dass Pepper es mochte, wenn Sonja oder ich uns zwischen ihm und dem Gruseldings befanden.

Ab da begann der Stadt-Teil unserer Wanderung an der Ruhr. Auch hier zeigte Pepper sich als äußerst aufmerksam aber entspannt. Dann ging es unter der großen Brücke der Bundesstraße hindurch – mit ein paar Möhrchen auch überhaupt kein Problem. Danach rauf auf die Brücke, Uferseite wechseln und wieder runter. Wir liefen wieder rechts und links von Pepper, aber so, dass er noch Platz hatte um ggfs. mal einen Schreckhüpfer zu machen. Allerdings benahm er sich wie ein ständig am Straßenverkehr teilnehmendes blindes Pferd: aufmerksam und brav – alter Streber, hauptsache ich hab vorher geschwitzt vor Sorge. Nach dieser Herausforderung war eigentlich das Schwierigste geschafft und wir merkten so langsam unsere Füße… Pepper wurde auch langsamer… gut, das war ja auch der Plan. Ca. 30 Minuten nach dem letzten Stück am Ufer entlang kreuzten wir noch eine Hauptstraße und liefen noch 10 Minuten auf einem Bürgersteig an der Hauptstraße weiter.

Angekommen am neuen Stall waren wir alle tiefenentspannt und platt. Sonja zeigte Pepper erst die Box und danach den Paddock. Die Box war überhaupt kein Problem, der Paddock ist ihm auch nach 2-3 Tagen noch etwas komisch. Aber das braucht Zeit. Der Zaun sowie der Boxeinang sind wieder mit Wunderbäumen markiert. Des Weiteren haben wir unter dem Zaun einen Haufen seiner Köttel verteilt, damit er sich besser orientieren kann.

An Tag 1 am neuen Stall brachten wir ihn auf seinen neuen Paddock, auf dem er im Winter halbtags stehen wird. Auch hier haben wir Wunderbäume angebracht, sowie Flatterbändchen um ihm eine akustische aber auch olfaktorische Orientierung zu bieten. Wir zeigen ihm vorab den Paddock und lassen ihn dann allein laufen, können ihn aber mit Kommandos unterstützen, sofern nötig. An Tag 2 werden wir das wiederholen und weiter weg gehen um im Zweifel noch eingreifen zu können. Aber normalerweise ist Pepper unheimlich fix im Erstellen neuer Karten in seinem Kopf.

So langsam werden wir trotz aller Eindrücke und Herausforderungen anfangen, den Alltag wieder einkehren zu lassen um mit Struktur und Alltag Ruhe und Sicherheit zu bieten. Also Putzen, Inhalieren (er ist noch zusätzlich an COB erkrankt) und ganz normal bewegen… und natürlich mal schöön im Sand wälzen.

 

 

Tag 2 läuft ähnlich. Viele Spaziergänge über den Hof um sich an alle Eindrücke zu gewöhnen. Pepper zuckt noch oft zusammen, was recht untypisch für ihn ist, aber auch das wird besser. Auf dem Paddock bewegt er sich noch nicht wirklich alleine. Er steht meist in der Sonne an der Hauswand. Vermutlich sonnt er sich und versucht die ganzen Eindrücke zu verarbeiten.


In den nächsten Tagen wurde das Bewegungsverhalten auf dem Paddock dann besser. Er läuft immer wieder zwischen Hauswand und Heunetz hin und her und futtert auch mal etwas. Ich denke, das wird noch eine Weile dauern, bis er sich völlig selbstsicher und mutig dort frei bewegt. Aber das wird…