Gründe der Erblindung – Augenerkrankungen

Equine Rezidivierende Uveitis / Periodische Augenentzündung,
auch Mondblindheit genannt:

Hierbei handelt es sich um die am häufigsten vorkommende Augenerkrankung bei Pferden, die für diese meist sehr schmerzhaft ist und unbehandelt bis zur Erblindung führt. Wenn erst ein Auge betroffen ist, greift die Krankheit in 1/3 der Fälle auch auf das andere Auge über.

Ausgelöst wird ERU durch eine Infektion des inneren Auges mit Leptospiren, die sich im Glaskörper des Auges ansiedeln. Diese Bakterien werden von Mäusen über den Urin ausgeschieden und von den Pferden über Futter oder Wasser aufgenommen.
Eine Infektion mit Leptospiren macht fast jedes Pferd mindestens einmal in seinem Leben durch, doch nicht alle erkranken deswegen an ERU. Warum es also nur bei einigen Pferden zu Entzündungen kommt, ist noch nicht genau erforscht. Vermutet wird u.a. eine Überempfindlichkeitsreaktion aufgrund einer Immunschwäche. Genauso kann eine Vererbbarkeit noch nicht ausgeschlossen werden, da die periodische Augenentzündung auch durch einen Gendefekt bei Appaloosas ausgelöst werden kann und es sich bei den erkrankten Pferden oftmals um Tigerschecken handelt.

Die Entzündungen treten in Schüben auf, wobei die Intervalle mit fortschreitender Erkrankung immer kürzer werden.

Langzeitfolgen, sind:

  • Netzhautablösung
  • Linsenluxation
  • Katarakt (Grauer Star)
  • Glaukom (Grüner Star)
  • Synechien (Verklebungen von Iris und Linse)
  • Phthisis (Schrumpfen des Augapfels)

ERU zeigt sich bei den Pferden in ganz unterschiedlichen Facetten. Ist die Entzündung im vorderen Bereich des Auges, wird dieses trübe und es zieht sich ein milchiger Schleier über das Auge.
Tritt die Entzündung im hinteren Bereich auf, tränt das Auge vermehrt, es kann eitern und ist leicht gerötet sein oder angeschwollen. Dann wird die Entzündung schnell mit einer Bindehautentzündung verwechselt. Eine genauere Untersuchung ist hier aber dringend notwendig, da die Entzündungen auch still verlaufen können und von außen gar nicht auffallen, bis das Auge bereits komplett erblindet ist.

Typische Symptome bei einem entzündlichen Schub können sein:

  • Geschwollene Lider
  • Gerötete Bindehaut
  • Lichtempfindlichkeit
  • Zukneifen des Auges
  • Tränenfluss
  • Verengte Pupille
  • Trübung der vorderen Augenkammer („milchig“)

ERU ist nicht heilbar und die vorhandenen Schäden des Auges bleiben dauerhaft. Durch Entzündungshemmer und Kortisonpräparate können aber weitere Schübe hinausgezögert und die Schmerzen gelindert werden.
Ist die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten, kann mit chirurgischen Eingriffen (Vitrektomie, Implantation eines Virostatikums) das weitere Fortschreiten der Erkrankung ver

hindert werden.

 

Katarakt (Grauer Star):

Als Katarakt bezeichnet man die Trübung der Augenlinse, die von außen als grau und milchig wahrzunehmen ist. Dadurch kann das Licht nicht mehr ungehindert bis zur Netzhaut durchdringen und das Sehvermögen wird deutlich eingeschränkt. Des Weiteren kann es zu einer Blendeempfindlichkeit kommen.

Der Graue Star tritt in drei Variationen auf.
Beim Rindenstar ist nur der äußere Kapselrand getrübt, sodass die Sehkraft des Pferdes unter Umständen gar nicht beeinträchtigt wird.
Beim Kernstar ist der Linsenkern stark getrübt, der Linsenrand allerdings klar. Das Pferd hat somit erhebliche Einbußen in der Sehfähigkeit.
Beim Totalstar ist die gesamte Linse getrübt. Es ist dem Pferd nicht mehr möglich Gegenstände zu erkennen, es kann höchstens noch hell und dunkel differenzieren.

Der Graue Star kann verschiedene Ursachen haben, wozu genetische Faktoren, Stoffwechselerkrankungen, traumatische Verletzungen oder die Folge von chronischen Augenentzündungen (wie beispielsweise ERU) zählen.

Ist die Linse noch nicht beschädigt oder sehr starr, kann mit einem chirurgischen Eingriff ein Linsenimplantat eingesetzt werden. Im Anfangsstadium kann das Fortschreiten der Krankheit auch homöopathisch mit Augentropfen verlangsamt werden (z.B. Senecio cineraria oder Cineraria Maritima Succuss).

Glaukom (Grüner Star)

Beim Glaukom ist der intraokulare Druck (IOD) im Pferdeauge erhöht, was sehr schmerzhaft für das Tier ist. Ein gesunder Augendruck liegt bei 12-18mmHg.

In einem gesunden Auge findet eine ständige Zirkulation des Kammerwassers zwischen dem Ziliarkörper im hinteren Augenbereich, wo die Flüssigkeit produziert wird, und dem vorderen Bereich des Auges statt, wo es durch den Kammerwinkel wieder abfließt.
Wenn das Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss oder die Zirkulation des Kammerwassers gestört wird, kommt es zum Glaukom.

Man unterscheidet dabei zwischen einem Primärglaukom, wenn keine weiteren Augenerkrankungen vorliegen, und einem Sekundärglaukom, wenn dieser die Folge entzündlichen oder posttraumatischen Affektionen ist.

Symptome sind:

  • Gerötetes Auge
  • Geweitete Pupille
  • Lichtscheue
  • Reiben
  • Getrübtes Kammerwasser
  • Weite, starre Pupille
  • Verzögerter Pupillen-Lichtreflex

Als erste Maßnahme kann medikamentös mit Infusionen oder Augentropfen der Druck gesenkt werden sowie mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln die Schmerzen gelindert werden. In manchen Fällen reicht eine medikamentöse Therapie nicht aus, dann muss mit operativen Eingriffen der Augeninnendruck gesenkt werden, damit das Auge erhalten werden kann. Dafür wird meist Lasertechnik oder Kryotechnik angewendet.

Keratomykose

Darunter versteht man die Erkrankung des Auges aufgrund einer Pilzinfektion, die bis zum Verlust des Auges führen kann.

Während einer Hornhautverletzung können Pilzhyphen die Hornhaut durchdringen und sich in dieser festsetzen. Die Pilzhyphen können bis in die Augenkammer gelangen und dort durch die Freisetzung von Toxinen schmerzhafte Entzündungsschübe hervorrufen.

Bei einer frühzeitigen Erkennung können die befallenen Stellen chirurgisch abgetragen werden.

Anophthalmus/Kryptophthalmus

Hierbei handelt es sich um eine angeborene Missbildung des Augapfels.

Immunmediierte Keratitis (IMMK) („Herpeskeratitis“)

Hierbei handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Hornhaut, die nach der Infektion mit den equinen Herpesviren Typ 2 oder Typ 5 auftritt. Herpesviren bleiben immer in einem Ruhestadium im Körper erhalten und können wieder aktiviert werden, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Wenn sie dabei an die Hornhaut oder die Bindehaut gelangen, lösen sie dort Entzündungsreaktionen aus. Die Rolle der Herpesviren ist allerdings noch nicht genau geklärt, aber bei fast allen Pferden, die aufgrund IMMK operiert wurden, wurden diese Viren in den Hornhautschichten nachgewiesen.
Die Krankheit ist chronisch, wobei typisches Symptome die oberflächliche, punktförmige Hornhauttrübung ist, die häufig mit einem Hornhautödem, Blutgefäßeinsprossung und einer Gelb-Grünen Färbung einher geht. Zu erkennen ist IMMK außerdem an starken Tränenfluss, Rötungen, einer verengten Pupille, geschwollenen Bindehaut und Blepharospasmus (krampfartiger Lidschluss). Viele Pferde reagieren mit Fressunlust, Aktivitätsverweigerung und vermehrtem Scheuern. Die Krankheit bricht von einem auf den anderen Tag aus und wird bei fortschreitendem Verlauf von Juckreiz und Schmerzen begleitet.
Behandelt werden kann Herpeskeratitis mit lokalem Virustatika. Bei der Einnahme von Entzündungshemmern verbessert sich die Symptomatik schnell, allerdings auch nur vorrübergehend. Eine chirurgische Therapie (Keratektomie) kann den Verlust des Auges verhindern.

Equine Sarkoide in Augennähe

Hierbei handelt es sich um den häufigsten Tumor bei Pferden. Der Tumor ist gutartig, er befällt keine Organe und führt zum Wachstum von Warzen unter der Haut. Wenn sie aber in Augennähe auftreten und immer weiter wachsen, können sie die Sehfähigkeit des Pferdes behindern, die Hornhaut reizen und die Funktion des Lidschlusses beeinträchtigen.

Ausgelöst wird der Tumor durch den Bovine Papillomvirus, den viele Pferde bereits in sich tragen. Zum Ausbruch kommt er aber nur, wenn die Pferde eine Grundveranlagung dafür haben und das Immunsystem geschwächt ist.

Das überschüssige Gewebe kann operativ entfernt werden. Meist hat der Tumor aber bereits gestreut, sodass die Sarkoide nach kurzer Zeit wieder nachwachsen. Mittels Kryochirurgie (Kältetherapie) können die Gewebezellen durch Vereisung absterben und abfallen. Oft führen allerdings auch zahlreche alternative Therapiemöglichkeiten zu Erfolg, jedoch lassen sich nur wenige direkt am Auge anwenden.

 

 

Plattenepithelkarzinom

Hierbei handelt es sich um einen Tumor, der am Augenlid oder zwischen Bindehaut und Hornhaut auftritt. Er führt zur Reizung und Störung des Lidschlusses und kann unbehandelt bis zur Erblindung führen.

Als Ursache wird das Auftreten eines Pigmentmangels in Kombination mit einer genetischen Prädisposition angesehen, wobei der Tumor dann durch UV-Strahlung induziert wird.
Das Karzinom kann chirurgisch entfernt werden.