Phasen der Erblindung

Die Gründe für eine Erblindung sind äußerst verschieden. Das kann einerseits die schleichende Uveitis (periodische Augenentzündung) sein, aber auch ein Trauma im Augenapparat aufgrund eines Unfalls oder noch Anderes. Darüber hinaus gibt es auch bereits blind geborene Pferde.

Bestand vor der Erblindung bereits ein schlechtes Vertrauensverhältnis oder ist das Pferd nicht gut erzogen, ist die Arbeit natürlich aufwendiger und heikler. Prinzipiell geht Sicherheit immer vor. Führen mit einer Gerte um Distanz zu wahren und ggfs. auch das Tragen einer Reitkappe beim Führen sollte in Betracht gezogen werden.

Es ergeben sich unterschiedliche Szenarien der Erblindung:
–    Einseitig
–    Beidseitig
–    Schleichend
–    Plötzlich

Es gibt eine Gemeinsamkeit dieser Zeit – die Übergangsphasen sind immer individuell, besonders anspruchsvoll und meist auch die größte Herausforderung. Das Pferd muss sich erstmal an die neue Situation gewöhnen – egal welche Art der Erblindung es ist.

Pferde, die vorher in großen Herden problemlos zurechtkamen, können bei Erblindung Probleme in Herdenhaltung haben. Somit kann sich auch ihr Wesen verändern. Ermutigt sich bei jeder Gelegenheit!

Nehmt eine Gerte mit, wenn ihr mit eurem Vierbeiner unterwegs seid. Sie dient in dieser Zeit lediglich zum Hilfen geben und Distanz halten und damit eurer persönlichen Sicherheit.

Einseitig
Die einseitig Erblindeten beginnen gern, verstärkt mit der sehenden Seite wahrzunehmen. Das bedeutet zum Beispiel eine Kopfschiefhaltung mit den entsprechenden Kompensationsproblemen in der Muskulatur aber auch eine wesentlich unsicherere Reaktion auf Ereignisse auf der blinden Seite. In dieser Zeit sollten die Vierbeiner möglichst viele Dinge und vor allem Geräusche von beiden Seiten „erleben“. Situationen, die vorher unproblematisch waren, können nur durchaus kritisch werden.

Beidseitig
Beidseitig erblindete Pferde benötigen u. a. täglich sichere Bewegung. Das kann auf einer bekannten Fläche frei sein oder an der Longe – wobei manchen Pferden beim Longieren schwindelig werden kann. Manchmal reicht auch ein Spaziergang an der Hand im Gelände, da die neuartige Aufnahme der Eindrücke über die verbleibenden Sinne das Gehirn sehr stark beansprucht. Lasst eure Pferde schnüffeln und tasten. Hierbei könnt ihr auch direkt erste Kommandos einfließen lassen >>siehe Tipps und Tricks<<. Die veränderte Wahrnehmung kann sich durch plötzliche Reaktionen auf Wärme (z. B. Sonne scheint auf Spiegel am Reitplatz und dieser reflektiert zum Boden) oder für uns nebensächliche Gerüche zeigen. Es muss sich auf seine anderen Wahrnehmungen besinnen: mehr tasten, riechen und hören.

Schleichend
Gerade bei der schleichenden Erblindung hat sich durch Erfahrungen gezeigt, dass Pferde gerade bei Veränderungen der Lichtverhältnisse unsicher reagieren. Vermutlich nehmen sie die Dinge verschwommen, größer oder dunkler wahr als vor der Erblindung. Rechne mit einem Pferd, welches sich vor Pfützen oder der Spiegelung der Sonne darin erschreckt.

Plötzlich
Jetzt ist alles anders. Für euch beide. Sofern dein Pferd nicht in der bisherigen Konstellation weiter gehalten werden kann (unfreundliche Herde, zu schwierige Haltungsbedingungen, große Orientierungsprobleme), kann erstmal eine Boxenhaltung für die Übergangsphase helfen. Dies bietet eine klare und einfach erlernbare Struktur (Wände, Wasser, Heu…) allerdings müsst ihr den Bewegungsmangel ausgleichen. Euer Pferd meint es nicht bös, wenn es vor Schreck auf eure Füße hüpft. Nehmt euch eine Gerte mit dazu, um für Distanz und damit auch für körperliche Sicherheit für euch beide zu sorgen.